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Drei für zwei – Piaggio MP3

Auch auf drei Rädern geht es schräg um die Kurve.

Der MP3 400 LT von Piaggio ist kein Roller wie jeder andere. Er hat drei Räder. Und ist damit nach deutschem Recht ein „Mehrspurfahrzeug“, das mit dem Pkw-Führerschein Klasse B gefahren werden darf – mit 400 Kubik, 33 PS und flotten 140 km/h Spitze. Das lässt auch Spötter schnell verstummen, denen schon mal so hässliche Worte wie „Krankenfahrstuhl“ oder „Kinderroller“ über die Lippen kommen.

Alles Blödsinn. Tatsächlich ist der MP3 ein höchst dynamisches Fahrzeug, das in Sachen Fahrspaß seinen zweirädrigen Kollegen in nichts nachsteht. Bei Federungskomfort und Sicherheit ist er ihnen sogar weit voraus: Rollsplitt, Kanaldeckel und nasses Laub oder Zebrastreifen verlieren ihre Schrecken. Ein komplett wegschmierendes Vorderrad und damit ein drohender Sturz wie beim Roller kennt der MP3-Fahrer nicht. Vom schwierigen Geläuf zeugt ein kurzes Zucken an den Lenkerenden. Wer auf nasser Straße zu schnell in die Kurve fährt, spürt, wie der MP3 förmlich über die Vorderräder schiebt. Das ist mit einem leichten Nachlassen am Gasgriff aber zu regulieren. Ansonsten bahnt sich der MP3 fast wie auf Schienen seinen Weg. Dank Scheibenbremsen an allen drei Rädern lassen sich selbst auf schlechtem Untergrund kurze Bremswege realisieren. Wer mit diesem Fahrzeug stürzt, hat es wirklich grob übertrieben.

Dank Feststellbrems und Arretierung der Vorderachse parkt der MP3 wie eine Eins.

Dank Feststellbrems und Arretierung der Vorderachse parkt der MP3 wie eine Eins.

Hinter diesem Muster an Fahrstabilität steckt eine spezielle Konstruktion. Die beiden Vorderräder drehen sich an je einer geschobenen Kurzschwinge, die von vier Aluminiumlenkern parallelogrammartig und unabhängig voneinander geführt werden. Die gesamte Vorderachskonstruktion ist als Modul gehalten. Damit fährt sich das Dreirad wie ein Zweirad, also auch in Schräglage um die Kurve – maximal bis 40 Grad, aber dann setzt auch schon der Hauptständer auf, zu dem wir auch noch ein Wort verlieren müssen.

Standhaft bleiben

Was dynamisch gilt, gilt auch statisch. Weil die Räder in Schräglage kippen, würde der Dreirad-Roller im Stand wie jedes Zweirad einfach umfallen. Hier hat sich Piaggio eine elektronische Lösung überlegt. Ein Druck auf den Knopf am rechten Lenkerende blockiert die Parallelogrammachse in jeder beliebigen Stellung, ein gelbes Warnlicht im Cockpit zeugt von der Blockade. So kann der Fahrer auch beim Ampelstopp die Füße auf den Trittbrettern lassen. Doch weil diese Hilfe erst bei 5 km/h, also Schrittgeschwindigkeit, wirkt, bedarf es schon etwas Übung, um in stolzer Haltung an der Ampel zum Stehen zu kommen. Bei Stop-and-Go-Verkehr wünschte sich der Fahrer schon, dass sich die Blockade nicht beim kleinsten Zucker am Gasgriff lösen würde. Andererseits ist die Funktion beim Parken wirklich praktisch, das Wuchten des schlanken Vierteltonners könnte auf Dauer anstrengend werden. Für sicheren Stand sorgt zudem eine Feststellbremse. Der serienmäßige Hauptständer dient also lediglich als Parkhilfe für längere Pausen, Wartungs- und Reparaturarbeiten.

Der Stauraum lässt sich auch über die "Heckklappe" beladen.

Der Stauraum lässt sich auch über die „Heckklappe“ beladen.

Unter der Sitzbank findet ein Helm Platz.

Unter der Sitzbank findet ein Helm Platz.

Ein verhältnismäßig großer Gepäckraum, der sowohl über die hochgeklappte Sitzbank als auch über einen kleinen Kofferraumdeckel zugänglich ist, schluckt die kleinen Dinge des täglichen Lebens sowie kleine Einkäufe klaglos, ein Integralhelm passt geradeso hinein. Der Tank liegt – für die Fahrdynamik günstig – sehr tief und fasst rund zwölf Liter. Eine Reichweite von rund 300 Kilometern ist bei zurückhaltender Fahrweise möglich. Weil der spontan aufs Gas reagierende Motor aber immer wieder zu flotter Gangart animiert, fuhren wir schon nach 200 Kilometern an die Tankstelle, unser Testverbrauch lag bei 4,4 Liter Super auf 100 Kilometer. Weil der MP3 auch nicht breiter baut als andere Großroller, eignet er sich gut für den Stadtverkehr, durchschlängeln ist kein Problem. Wegen des guten Wetterschutzes und der gelungenen Verarbeitung ein nahezu perfektes Alltagsgefährt, wenn da nicht die Anschaffungskosten von rund 8000 Euro wären – Besonderes hat eben seinen Preis.

 

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